Susanne

Ich bin schon immer sehr neugierig gewesen. Irgendwann habe ich mir gedacht: Ich muss jetzt endlich mehr erfahren über die geflüchteten Menschen, als die Medien berichten!

Mein persönlicher Bezug zum Thema Flucht ist die Geschichte meines Großvaters. Seine Eltern haben im Jahr 1938 als Südtiroler für das "Deutsche Reich" optiert und sind mit Nichts am Bahnhof Innsbruck angekommen. Alle Söhne - auch mein Großvater - mussten sofort einrücken. Als sie Gott sei Dank alle nach dem Krieg zurückkehrten, wussten sie nicht, wo ihre Eltern und Schwestern waren. Sie mussten sie über das Rote Kreuz suchen.

Sie waren damals in Nordtirol nicht sehr willkommen und bis zur Generation meines Vaters bekamen sie das Schimpfwort "Südtiroler-Karrner" zu hören.

Die Familie meines Vaters ist immer noch stolz darauf, aus Südtirol zu stammen. Fast jedes Jahr fahren wir nach Villnöss, weil dort unsere Wurzeln sind.

Von den Ländern, aus denen jetzt die Flüchtlinge zu uns kommen, weiß ich so gut wie nichts. Ich lerne unglaublich viel, wenn ich mich mit den Menschen aus diesen Ländern unterhalte. Sie halten mir einen Spiegel vor, in dem ich meine Vorurteile (von denen ich glaubte, ich hätte keine) und meine eigenen Fragen sehen darf.

Ich sehe es als meine Verantwortung, auf die Neuankommenden zuzugehen. Es ist in jeder Kultur so, dass die Einheimischen die Neuen willkommen heißen sollten. Das haben wir - wie ich finde - ein bisschen verlernt. Wenn ich wirklich meine Ohren und meine Augen und mein Herz öffne, dann ist es ganz einfach, mit den Menschen aus anderen Kulturen in Beziehung zu treten.

 

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MiM Miteinander im Mittelgebirge - Freundeskreis Flüchtlinge
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Tel.:  0680 11 68 665
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Abgerufen am: 24.06.2019