Jhon

Ich habe 4 Kinder, davon sind 2 Zwillinge. Auf der Flucht hätte ich sie und meine Frau unmöglich mitnehmen können. 

Ich bin in der Republik Kongo aufgewachsen. Dort spricht man Französisch, weil es eine französische Kolonie war. Ich bin Tischler und habe jeden Tag 9 Stunden in einer Holzfabrik gearbeitet. Das Leben war schwierig, aber es war in Ordnung. Bis das Militär gekommen ist und mich holen wollte, um im Bürgerkrieg zu kämpfen.

Meine Frau und ich haben entschieden, dass ich die Gefahren der Flucht auf mich nehme und versuche, bis nach Europa durchzukommen. Denn das Risiko, im Krieg zu sterben, ist sehr, sehr groß.

Die Kinder hätten wir unmöglich mitnehmen können. Sie sind zu klein, sie hätten die Strapazen der Flucht nicht überlebt. Also haben wir entschieden, dass ich es versuche und meine Frau bei den Kindern im Kongo bleibt. Sie lebt dort zurzeit bei ihren Eltern.

Ich habe es bis Österreich geschafft. Aber nun muss ich lange warten, bis es möglich ist, meine Familie wieder zu sehen. Dies sind schwere Zeiten für meine Frau, für meine Kinder und für mich. 

Es hilft mir ein bisschen, dass mein Bruder bereits in Wien lebt und uns unterstützen kann. Er hat das gleiche Schicksal wie ich, ist aber bereits 2012 geflohen.

Wenn es möglich ist, dann möchte ich wieder als Tischler hier arbeiten. Im Moment versuche ich, Deutsch zu lernen. Das fällt mir nicht so leicht - ich bin leider kein Sprachentalent. Aber die Österreicherinnen und Österreicher sind sehr nett und bemühen sich, mit Händen und Füßen mit mir zu reden, wenn es sonst nicht anders geht. :-)

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MiM Miteinander im Mittelgebirge - Freundeskreis Flüchtlinge
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Abgerufen am: 17.08.2018